Montag, 31. August 2009

Winter in Granada

Assoziationen zum Thema Winter: Sonnenschein, blauer Himmel, 30 Grad Tagestemperatur, nachts:25 Grad, Luftfeuchtigkeit 90%.

Ich warte somit schon sehr gespannt auf den Sommer. Da gerade Regenzeit ist, gibt es nachmittags regelmäßige heftige Regenschauer, die hier alle mit Freuden erwarten. Nach gerade einmal 4 Wochen, seit ich dem deutschen Regenwetter entflohen bin, bin ich schon soweit, Regen im Allgemeinen und die Abkühlung, die er mit sich bringt als wunderbar angenehm zu empfinden.

Trotzdem schwitzt man zu jeder Tages- und Nachtzeit und das hat zur Folge, dass wir alle uns hier zwei mal täglich duschen.


Doch natürlich lasse ich mich von der lieben Sonne nicht davon abhalten, nach draußen zu gehen, denn da findet das Leben statt. Während sich in Europa das Alltagsleben doch mehr oder weniger in den Häusern und Gebäuden abspielt, sind hier den ganzen Tag die Straßen voll von Menschen, die vor ihren Häusern sitzen und gemütlich mit ihren Nachbarn ratschen, sich einem anbieten die Schuhe zu putzen, einem Kaugummis, Kunsthandwerk, Ohrringe andrehen wollen oder einem Ohrenschmerzen verursachen, da sie in oberster Tonlage und in Dauerschleife ihre Quesillos lobpreisen. Der Quesillo ist für hier ein unverzichtbares Essen, da er einfach an jeder Straßenecke erhältlich ist und somit fest in das Leben eines Nicaraguaners integriert ist. Für unseren europäischen Gaumen ist er sehr gewöhnungsbedürftig sowohl im Geschmack als auch in der Essweise.

Er wird elegant in einer Plastiktüte serviert und besteht aus intensivem Käse, der in Tortilla (Maisfladen) gewickelt ist und mit Chile (einer scharfen Chili-Gewürzmischug) beträufelt wird. Und jetzt kommts: Zum essen knotet man die Tüte oben zu, schüttelt das Päckchen, bis es schön matschig ist, beißt dann unten ein kleines Loch hinein und schlürft den Quesillo raus.

Für unsere Verhältnisse ist das wohl eine der ekligsten Methoden, eine Mahlzeit zu sich zu nehmen und hält den Benimmregeln Knigges bestimmt nicht stand, aber hier wäre es wohl eher unhöflich, ihn aus der Tüte zu löffeln.

Ansonsten funktioniert die nicaraguanische Küche ungefähr so: Wenn man deftig essen will, sucht man sich irgendetwas, was man essen will und fritiert es dann. Wenn man was Süßes essen will, fritiert man es entweder oder süßt es mit drei Löffeln Zucker. Ebenso beinhaltet jedes Getränk neben Eiswürfeln natürlich Zucker und normalerweise gibt es zum Essen immer einen Fresco, das ist frisch gepresster Saft von Maracuja, Pitaya (knalllila Frucht), Melone, Orange usw. mit Eis und – wie sollte es anders sein – Zucker.

Nichtsdestotrotz schmeckt das Essen hier in der Regel ausgezeichnet. Typisch ist Gallo Pinto, Reis mit Bohnen oder allgemein Reis mit einem Stück Fleisch und Krautsalat, Empanadas, die mit Reis und Käse gefüllt sind und frittierte Bananen. Bei den Comedors, den Essständen an der Straße, wird das Essen in den großen Blättern von Bananenstauden serviert. Als Ersatz für die Kartoffel wird hier Yucca gegessen, eine Knolle, die ähnlich schmeckt wie Maroni-kastanien und statt Zuchini isst man Pipiyan. Bei den Bananen gibt es drei Sorten, die normalen Bananen zum roh essen und zwei Sorten Kochbananen, Maduros und Platanos, die roh nicht genießbar sind.

Gemüse und Obst kaufen wir auf dem Markt, weil es billiger und frischer ist und außerdem, weil das Geld an Nicaraguaner geht und nicht an die Familie Pelas, die reichste Familie im Land, die ein Monopol auf sämtliches Gewerbe hat und erst recht nicht an Wal-Mart, dem die einzigen zwei Supermarktketten in Nicaragua angehören. Ebenfalls der Familie Pelas gehören die einzigen beiden Biermarken hier, Viktoria und Toña und wohl sämtliche Villen auf verschiedenen Isletas im Lago de Niacaragua, die nicht Ausländern gehören .

Was man auf keinen Fall auf dem Markt kaufen sollte ist Fleisch, aber da verzichtet man freiwillig darauf, wenn man sieht, wie mittags die Fliegn in Horden über das rohe Fleisch herfallen, dass natürlich ungekühlt und ungeschützt auf dem dreckigen Markttisch ausgebreitet ist und die Verkäufer die ganze Zeit damit beschäftigt sind, mit einem dreckigen Lumpen die Fliegen wegzu wedeln. Auf den Fleischtischen befindet sich neben normalem Fleisch auch Zunge und sämtliche innere Organe, die die Tiere eben haben und man kann die Tiere auch ohne Probleme am ganzen Stück kaufen.


Nach diesem kleinen Exkurs zum Essen, nun etwas über die Armut im Land. Nicaragua ist ein Entwicklungsland und nach Haiti das zweitärmste Land Mittelamerikas. Gleichzeitig ist es aber, wie ich gestern in einem Gespräch erfahren habe, nach einem internationalen Index das Land mit den glücklichsten Bewohnern. Unabhängig davon, wieviel man von solch einem Glücklichkeits-index halten mag (ich nicht sehr viel), kann ich der Aussage nach meinen ersten Eindrücken hier zustimmen.

Die Armut ist vorhanden und man bekommt sie Tag für Tag zu spüren, wenn ich eben innerhalb von zehn Minuten, die ich von der Casa bis zum Supermarkt laufe, von ca 3 verschiedenen Kindern und alten Leuten um Geld angebettelt werde, einem beim Essen stets jemand was andrehen will, um ein paar Cordoba zu verdienen oder aber, wenn man bei einem Fest in der Stadt plötzliche fremde Händen in seinen Hosentaschen findet und die lauernden Blicke spürt, wenn man seine Kamera auspackt um ein Foto zu machen oder auch wenn man am Markt mit einem Hundert-Cordoba-Schein bezahlen will (ca 4 Euro) und die Marktfrau ihn mehrere Sekunden ungläubig ankuckt und in den Händen dreht, bis sie einem mitteilt, dass sie so viel Geld leider nicht wechseln kann.

Außerdem wurde in der kurzen Zeit, die ich erst hier bin, in der ersten Woche das Handy einer Freundin geklaut, in der zweiten Woche mein Fahrrad, obwohl es abgesperrt im Innenhof hier war und in der dritten Woche Geld aus der Wohnung geklaut. Das ist schon ein sehr unangenehmes Gefühl und es macht mich furchtbar wütend, weil ich Klauen nicht verstehen kann, auch nicht bei Armut. Trotz allem werde ich doch nachdenklich, wenn ich höre, dass ein kleines Mädchen einer Freiwilligen den Geldbeutel gestohlen hat und eine Stunde später dabei erwischt wurde, wie es mit eben diesem Geld Essen, Klopapier und ähnliches für die ganze Familie gekauft hat.

Was auch sein bisschen schwierig ist, ist abends was trinken gehen mit nicaraguanischen Freunden. Wir Europäer wollen in der Freizeit natürlich Ausflüge machen und abends mal in eine Bar. Da wollen wir natürlich gerne auch nicaraguanische Freunde dabei haben, aber ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll, dass einer am Schluss statt drei Bier, die er getrunken hat, nur eins bezahlen kann und zwei weitere uns bitten, ihnen Geld zu leihen. Das sind alles total nette Leute, aber ich leihe kein Geld an Menschen, die ich nicht so gut kenne und das fehlende Geld für das Bier haben wir Freiwilligen dann eben unter uns aufgeteilt. Auf Dauer ist das meiner Meinung nach aber keine gute Lösung und erst recht eine schlechte Basis für eine Freundschaft.

Zum Glück sind das aber Einzelfälle und man kann dem aus dem Weg gehen, indem wir wie so oft den Abend mit Freunden und Bekannten auf dem Balkon verbringen. Das macht genauso viel Spaß und man entgeht den Schwierigkeiten mit dem Geld.

Ansonsten ist die Armut im Zentrum von Granada, der Touristenstadt Nicaraguas, nicht sichtbar, die Fassaden werden jeden Tag nachgepinselt, es wird für Ordnung gesorgt und die Häuser sind alle herausgeputzt, aber sobald man in die Barrios, die Stadtviertel, hinausfährt oder auf dem Land ist, sind die Lebensverhältnisse sehr viel einfach und auch die Behausungungen oft nur behelfsmäßig mit Wellblechdach und allem Material, was wohl gerade zur Hand war.

Das Leben auf dem Land habe ich bei meinem Besuch in Malacatoya, einem Dorfentwicklungsprojekt der Casa de los Tres Mundos, kennengelernt. Malacatoya wurde beim Hurrican Mitch in den 90ger Jahren vollkommen zerstört und befindet sich nun seitdem im Wiederaufbau. Die Menschen dort leben zum Großteil von der Landwirtschaft und in Zusammenarbeit mit der Agraruni in Managua wird dort derzeit der Versuch gestartet, eine rein ökologische Landwirtschaft aufzubauen. Derzeit gibt’s damit zwar Probleme, weil es trotz Regenzeit zu wenig regnet und die Pumpe kaputt ist, aber der Ansatz zu Modernisierung ist da und mit biologischer Schädlingsbekämpfung reduzieren sich auch die Kosten

für Spritzmittel und ähnliches. Allerdings sind die Campesinos natürlich im Moment aufgrund des schlechten Ertrags noch nicht von dieser modernen, für sie ungewohnten Form der Landwirtschaft überzeugt, auch wenns momentan nur am Regen liegt. Die Familie muss dennoch ernährt werden und das brachten sie in einer Dorfversammlung vor einigen Wochen sehr deutlich zum Ausdruck. Alle Familien aus Los Angeles – einem Teil Malacatoyas – versammelten sich im Gemeindezentrum zusammen mit Dieter Stadler von der Casa und einigen Lehrern der Agraruni und die Bewohner brachten ihre Beschwerden und Probleme vor. Auch die Frauen und Kinder waren da und was mich total irritiert hat, war die Tatsache dass zwischendrin Oreo-Kekse und Coca-Cola an alle verteilt wurde. Die Familien können sich kaum ernähren und wohnen sehr einfach, aber es werden total teure amerikanische Produkte verteilt, um sich nach außen hin gut zu präsentieren. Der Einfluss der USA ist schon an solchen Kleinigkeiten sichtbar und Nordamerika weckt Konsumvorstellungen in den Menschen, die sich nicht erfüllen lassen.

Mittlerweile bin ich auch stolze Besitzerin einer handgebauten nicaraguanischen Gitarre. Sie ist wunderschön und klingt gut und insgesamt bin ich sehr zufrieden damit. Wie mir gesagt wurde, ist der Gitarrenbauer aus Masaya auch der Beste Nicaraguas. Ich freue mich schon auf die ersten Gitarrenstunden mit meiner neuen Gitarre, juhu!

Dienstag, 18. August 2009

Land, Leben und Leute

Nach mittlerweile 12 Tagen hier in Nicaragua gewöhne ich mich langsam an das Leben hier. Man gewöhnt sich daran, dass nicht den ganzen Tag fließend Wasser aus der Leitung kommt, dass uns weißen Frauen grundsätzlich jeder Mann hinterher pfeift und dass Busfahrer sich grundsätzlich weder an (nicht existierende) Fahrpläne noch an Verkehrsregeln halten. Das sind so drei Aspekte, die mir im Unterschied zum Leben in Deutschland sehr auffallen. Als ich mich auf einer Fahrt mit dem Jeep auf sehr unwegsamen Gelände angeschnallt habe, wurde ich darauf hingewiesen, dass wir nicht im Flugzeug sind und das Auto auch nicht gleich abheben wird – ich mich also nicht anschnallen muss. Die Busse fahren auch mit offenen Türen und fahren auf Straßen, die auf 50 km/h beschränkt sind grundsätzlich 80 km/h – mehr geben die Busse an Geschwindigkeit auch nicht her.
Das erklärt dann wiederum, warum man hier für alle Entfernungen dreimal mehr Zeit einrechnen muss als auf deutschen Autobahnen.

Soviel zu Nicaragua allgemein, nun zu meinem Leben hier.

Ich wohne hier in einer WG mit zwei österreichischen Zivis und einem nicaraguanischen Künstler und auch wenn der Haushalt mit drei Männern ein bisschen anstrengend ist, wohne ich sehr gerne hier mit ihnen zusammen. Außerdem ist fast immer Besuch da, der in unserem Apartment beherbergt wird, seien es ehemalige Freiwillige der Casa oder Bekannte, die von unserer Adresse über mehrere Adressen erfahren haben und sich für eine Nacht auf einer der Matratzen einquartieren. Von daher ist immer was los und ich lerne täglich neue Leute kennen. Auf Dauer befürchte ich aber, dass es auch anstrengend sein kann, wenn man immer wieder neue Leute kennenlernt, die bei einem übernachten wollen, aber das wird sich zeigen. Noch komme ich gut damit klar aber ich halte euch, liebe Website-Besucher, natürlich auf dem Laufenden.

Meine Wochenstruktur sieht zur Zeit folgendermaßen aus: Montags und Mittwochs kommen 4 Nicas (so wird die Bevölkerung hier genannt) in unser Apartment in der Casa de los tres mundos und Cornelius, ein Auslandsdiener (=Zivi) aus Österreich und ich bringen ihnen auf ihren Wunsch hin Deutsch bei. Allerdings sind ihre Vorkenntnisse begrenzt bis gar nicht vorhanden, weshalb wir letzte Stunde das deutsche Alphabet mit allen seinen Besonderheiten wie ß, ö, ä, ü und die Umlaute durchgenommen haben, was sehr lustig anzuhören war. Auf einmal merke ich, wie schwierig schon allein die Aussprache ist und am meisten amüsiert haben wir uns bei dem Wort “Knödel”. Letzten Donnerstag haben wir ein deutsch-nicaraguanisches Essen bei uns in der WG organisiert, zu dem ca 10 Nicas und 5 Deutsche bzw. Österreicher kamen und es gab improvisierte Knödel aus Toast mit Schwammerlsoße, während sich die Nicas um Tortillas, Guacemole und einen Grana-Fresco gekümmert haben. Dabei konnte gleich die wichtige Vokabel “Knödel” verwendet werden – sehr zu unserer Belustigung.

Aber zurück zum Thema, der Deutschkurs findet zweimal die Woche für 2 Std statt, wobei im Moment noch 99% Spanisch gesprochen wird und nur einzelne Wörter auf deutsch. Das wiederum hilft Cornelius und mir automatisch, unsere Spanischkenntnisse zu verbessern und alle profitieren von dieser Art von Unterricht. Zusätzlich gebe ich Freitag nachmittags noch Einzelunterricht in Deutsch für eine nicaraguanische Spanischlehrerin. Das Schöne ist, dass man bei ihr zu Hause auch immer reichlich mit leckerem Essen und Getränken versorgt wird – das verbessert die Lernatmosphäre sehr.

Neben dem Deutschunterricht findet zwei mal pro Woche Gitarrenunterricht statt, bei dem von 2-5 Uhr nachmittags Kinder, Jugendliche und Erwachsene in den Patio der Casa kommen, entweder um Gitarre spielen zu lernen oder auch nur um gemeinsam spielen zu können oder die Lieder zu üben, die man bereits kann. Es kommen auch viele junge Männer, die sehr gut spielen und von denen kann ich noch viel lernen. Was mir sehr auffällt, ist dass im Gegensatz zu anderen Instrumenten hier nur Männer Gitarre spielen und keine einzige Frau.
Leider kamen bisher nicht viele Kinder und mit Kindern Gitarre zu spielen macht mir einfach am meisten Spaß.
Die Musik und die Kunst ist sowieso ein Bestandteil des Lebens hier. Den ganzen Tag schallt Musik durchs Haus, egal ob klangvolle Blasorchester oder schiefe Geigenversuche, die leider genau vor der Tür unseres Apartments stattfinden. Allgemein ist es aber ein schönes Gefühl den ganzen Tag von fremden Klängen umgeben zu sein und letztens haben wir in einer Salsa-Bar die Familie eines Künstlers der Casa kennengelernt und wir haben bis 3 Uhr morgens zusammen auf dem Balkon der WG Gitarre gespielt und gesungen.
Die Kunst spielt insofern eine große Rolle, dass viele Nicas hier in der Casa, mit denen ich zu tun habe, wie z.B. Mein Mitbewohner Alejandro Maler oder Grafiker sind und hin und wieder auch Werke in der WG verstreut rumliegen.

Dienstags findet abends immer ein Kino statt, für dessen Organisation ich verantwortlich bin. Die Veranstaltung nennt sich “Videoteca del Sur” und es werden anspruchsvolle lateinamerikanische und auch internationale Filme für Erwachsene gezeigt, die ich aber nicht selbst aussuche. Das Ganze ist gratis, doch leider wird es recht schlecht besucht, da die Tonqualität nicht optimal ist und evt. auch einfach mehr Werbung nötig ist.

Zwischen den fixen Arbeitszeiten kümmere ich mich darum, dass das Wochenprogramm der kommenden Events immer aktuell ist und an alle Interessenten verschickt wird. Zudem aktualisiere ich laufend die Homepage der Casa de los tres mundos, was die Events betrifft und ich mache Übersetzungen für die verschiedenen Projekte hier im Haus, die ab ca Oktober auf einer neuen Website der Casa veröffentlicht werden.

Bei Bedarf hole ich aktuelle Informationen über bestimmte Projekte, wie die Theaterschule, das Dorfentwicklungsprojekt Malacatoya auf dem Land oder die Musikschule für meinen Verein Pan y Arte in Deutschland ein und mache Fotos, die dann für Spendenflyer verwendet werden.

Das ist momentan mein Aufgabenfeld und füllt meine Arbeitswoche gut aus. Mir sind aber die Hände nicht gebunden und ich kann mich überall einbringen, wo ich neue Ideen habe.
Es gab vor kurzem monatlich ein Kinderkino und ich würde mich gerne darum kümmern, das leider eingeschlafene Projekt wieder zum Leben zu erwecken.

Nach der Arbeit darf aber natürlich auch das Vergnügen nicht fehlen und da ist das Angebot in Granada sehr vielfältig. Am Wochenende kann man viele Ausflüge in der näheren Umgebung machen, wie das Baden in einer Lagune im Krater des Hausvulkans von Granada, dem Mombacho, den man natürlich auch besteigen kann. Direkt hier am See kann man eine Bootstour durch eine Gruppe von 365 Inseln (wie Tage im Jahr) machen oder auf den sehr schönen Markt in der nächsten Kleinstadt Masaya fahren. Die letzten beiden Wochenenden waren auch viele Feste in Granada, wie das Stierrennen in der Stadt, der Carneval und die Hipica (ein Pferdeumzug), bei dem die ganze Stadt auf den Straßen ist und bis tief in die Nacht auf den Straßen Merengue und Salsa tanzt. Das Nationalgetränk ist hier der Flor de Caña, der Rum, der auch unvergleichlich lecker schmeckt im Gegensatz zu deutschem Rum.

Donnerstag, 6. August 2009

Granada para Cheles

Ein Chele – das bin ich seit einem Tag. So werden die Ausländer hier in Nicaragua genannt. Die Anreise war unglaublich lang und auch anstrengend, doch während ich bei meinem letzten Flug von Miami nach Managua meine Augen fast nicht mehr offen halten konnte, war ich sofort putzmunter, als ich in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, aus dem Zoll kam und sofort herzlich von meinen Mitbewohnern und anderen Freiwilligen hier begrüßt wurde. Zur Begrüßung gehörte gleich ein Keks mit intensivem nicaraguanischen Käse, an dessen Geschmack ich mich erst noch gewöhnen muss.

Das Gepäck wurde gleich auf die Ladefläche des hier üblichen Verkehrsmittels, der Camioneta, geschmissen. Die Camioneta ist ein Jeep und tagsüber ist es wohl auch üblich die Ladefläche als zusätzliche Sitzgelegenheit zu nutzen. Nachdem wir noch einen Zwischenstopp in der Freiwilligen-WG in Managua eingelegt hatten, kam ich gegen Mitternacht zu nicaraguanischer Zeit (also 8 Uhr morgens in Deutschland) in meinem neuen Zuhause, der Casa de los tres mundos, an.

Nach nur vier Stunden Schlaf (Jetleg war schuld) habe ich dann meinen ersten Sonnenaufgang in Nicaragua genossen und nach dem Frühstück wurde ich dann allen Casa-Mitarbeitern vorgestellt und das sind richtig viele. Daher verwechsle ich auch noch alle Namen, auch wenn ich von jedem gleich herzlich mit Bussi auf die Backe begrüßt wurde.
Im Kulturzentrum hier gibt es auch einen kleinen Radiosender namens „Radio Volcon“ und da hatte ich die Ehre, dass ich bei meiner kleinen Vorstellungsrunde gleich mit in die Sendung integriert wurde und ein paar Brocken Spanisch zum Besten gegeben habe. Wie man merkt ist hier alles ganz spontan und es nicht so wichtig, ob der Radiobeitrag qualitativ hochwertig ist – Hauptsache man ist freundlich und offen.

Kulinarische Besonderheiten habe ich auch bereits kennengelernt, vor allem Früchte, deren Namen ich mir nicht merken konnte und die ich noch nie zuvor gesehen habe.
Auf dem Markt habe ich auch das erste Mal extrem gemerkt, wie hoch der Preisunterschied zu Europa ist. Für sechs Mangos habe ich 3 Cordobas, die nicaraguanische Landeswährung, gezahlt und 20 Cordobas sind 1 Dollar. Ich habs nicht genau ausgerechnet, aber es ist unglaublich billig und es ist kaum vorstellbar, wie die Familie der Verkäuferin sich auf diese Weise den Lebensunterhalt verdienen soll.

Gleich an meinem ersten Tag hier habe ich ein bisschen mit Cornelius, einem Zivi aus Österreich und mein Mitbewohner und einem Gitarrenschüler ein bisschen im Innenhof der Casa auf der Gitarre geklimpert, ohne aber Unterricht zu geben. Die meisten Schüler, die hierher kommen, spielen auch schon richtig gut, was ich gar nicht so erwartet hatte.

Tja, und damit ich aber gut Gitarre spielen kann, brauche ich natürlich auch eine eigene Gitarre, weshalb ich gegen Abend mit einem Musiklehrer und Cornelius noch in die nächste Kleinstadt, Masaya, gefahren bin und auf Empfehlung des Musiklehrers mir nun eine Gitarre beim angeblich besten Gitarrenbauer Nicaraguas bauen lasse.

Für den ersten Tag hier ist also ziemlich viel los gewesen und ich befinde mich in einem Meer von neuen Eindrücken, Bildern und Menschen und bin gespannt auf die nächste Zeit.