Dienstag, 27. Oktober 2009

Von der Maus und dem Zahn

Fiesta, Fiesta - da das Feiern in Nicaragua einen hohen Wert hat und es Gründe genug gibt (im Zweifelsfall wird auch ohne Grund gefeiert), gab es letzte Woche auch in Los Àngeles - Malacatoya, dem Dorfentwicklungsprojekt in der Nähe von Granada ein großes Fest für Kinder.
Zusammen mit der Leiterin Milagros (was übersetzt "Wunder" heißt) der Bücherecke "Rincón de Cuentos" fingen wir vor zwei Wochen mit der Organisation an, entwarfen große Plakate und Flyer, kauften viele bunte Luftballons, Kinderschminke und kümmerten uns um eine Audio-Anlage, damit für den großen Tag alles vorbereitet ist.
Am Vorabend des Festes zeigte die Regenzeit hier endlich einmal ihr wahres Gesicht und es regnete unaufhörlich in Strömen. Wir zweifelten bereits daran, am nächsten Morgen pünktlich und heil im Dorf anzukommen, da die unbefestigte Schotterpiste mit ihren riesigen, kraterähnlichen Schlaglöchern bei Regen eher einer Seenplatte als einer Straße ähnelt, und die Tiefe der Löcher oft unergründlich ist. Doch bei Sonnenschein und mit nur einer Stunde Verspätung (die "hora nica", die noch im Rahmen der Pünktlichkeit liegt) kamen wir an dem riesengroßen Baum an, unter dem das Fest im Freien stattfinden sollte und es erwarteten uns bereits viele, viele Kinder der Schulen in den umliegenden Dörfern. Einige flatterten bereits als angepinselte Schmetterlinge, Löwen oder mit undefinierbaren Kriegsbemalungen im Gesicht herum und wir wurden schon einmal mit Reggaeton eingestimmt, bis es zwei Stunden nach offiziellem Beginn endlich losging.
Ein paar Lehrer und auch Milagros lasen ein paar der neuesten Geschichten aus der Bücherecke vor und auch mir wurde ein Buch in die Hand gedrückt. Von Milagros wurde ich inständig darum gebeten, es zu erzählen und es wäre so toll, wenn ich auch eine Geschichte vorlesen würde. Nach einem kurzen Gitarrenkonzert von zwei Freunden hier, die mit traditionellen nicaraguanischen Liedern und einem Kinderlieder über Popel (gibts bei uns auch ein Lied darüber??) die Kinder bei Laune hielten wurde ich schon in die Mitte des Platzes gebeten, sofort von einigen Kindern umringt und erzählte die Geschichte der Maus, die den Kindern die ausgefallenen Milchzähne klaut und darüber, wie Alfredo sich Gedanken macht, was mit denen denn passiert - baut die Maus sich eine Leiter zum Mond oder verwandelt sie die Zähne in einer Maschine zu Geld??
Ich hoffe, man hat mir meine Nervosität nicht allzu sehr anmerkt vor 150 Kindern und 5 bis 10 Lehrern auf Spanisch eine mir nahezu unbekannte Geschichte lebhaft und spannend zu erzählen!!!
Danach gabs noch Tänze von den Mädchen aus dem Dorf und spontan einen Tanzwettbewerb auf Reggeaton-Musik, deren Texte höchst öbszön und vulgär sind und die 10-jährigen Mädls und Jungs ihre Hüften so geschwungen haben, wie es in Deutschland kaum in den Diskotheken geschieht.
Der Hüftschwung wird hier einfach mit der Muttermilch aufgesaugt.
Rundum war das Fest gelungen und die Kinder hatten alle einen Tag schulfrei - gute Laune bei allen Beteiligten!