Ich versuche mir hier im tropischen Nicaragua ein bisschen Weihnachtsstimmung zu zaubern und bin mit dem Plätzchenbacken von Schokoladenbrot und Zimtsternen ( die Zutaten sindhier teilweise wirklich schwer zu beschaffen) schon sehr glücklich. Wenn dann noch der Chor aus dem Kulturzentrum die Weihnachtslieder wie "Noche de Paz" (Stille Nacht) oder "Navidad, Navidad" (Jingle Bells) für die anstehenden Konzerte probt und ich mit ein paar nicaraguanischen Freundinnen in Mehlstaub und Zimtgeruch unsere Plätzchen aussteche, fehlen nur die 2 Grad frostige Außentemperatur, um mich weihnachtlich zu fühlen.Weihnachten bzw. Vorweihnachtszeit in Mittelamerika:
In allen Häusern werden Plastikchristbäume aufgestellt und kitschig geschmückt, nach nordamerikanischem Vorbild auch mit Schneeflocken und Schneemännern. Das gefällt m
ir gar nicht gut, weil es absolut fremde Kultur aus den Staaten ist. So gut wie niemand hier hat jemals in seinem Leben eine echte Schneeflocke geschweige denn einen Schneemann gesehen hat.In den letzten 5 Tagen wurde die Empfängnis der Jungfrau Maria gefeiert und jeden Tag gab es große Prozessionen durch jeweils eine Straße Granadas. Die Straßen wurden total überschwänglich dekoriert, jeder hat sein Haus frisch in bunten Farben gestrichen und es wurden Lichtergirlanden auf der Straße aufgehangen. Das Highlight der Prozessionen war die hellbeleuchtete und mit Blumen geschmückte Statue der Jungfrau.
In diesen Tagen dürfen auch die Mädchen, die sonst von ihren Eltern sehr behütet werden und normalerweise abends nicht rausdürfen, durch die St
raßen ziehen (um die Jungfrau Maria zu sehen) und somit finden sich in der Zeit angeblich viele Pärchen.
Der unangenehme Beigeschmack dieser Feier der "Purissima" (der Reinheit) sind die ununterbrochenen Glockenschläge aus der Kathedrale, die einem in den Ohren schmerzen bestimmt jeweils zwanzig Minuten andauern.
In diesen Tagen dürfen auch die Mädchen, die sonst von ihren Eltern sehr behütet werden und normalerweise abends nicht rausdürfen, durch die St
Der unangenehme Beigeschmack dieser Feier der "Purissima" (der Reinheit) sind die ununterbrochenen Glockenschläge aus der Kathedrale, die einem in den Ohren schmerzen bestimmt jeweils zwanzig Minuten andauern.
An Weihnachten selbst gehen viele Familien abends in die Weihnachtsmesse, danach gibt es ein gemeinsames Abendessen mit der ganzen Großfamilie mit gefülltem Braten und viel Rum für die Erwachsenen und um Mitternacht gehen alle auf die Straße und es gibt ein riesengroßes Feuerwerk in den Städten. Jeder wünscht der Familie und den Nachbarn frohe Weihnachten und es gibt ein paar Geschenke. Die Geschenke stehen allerdings längst nicht so sehr im Vordergrund wie in Deutschland, da es einfach in vielen Familien an den nötigen Mitteln fehlt.
Im Dezember gibt es zwar für alle Arbeiter ein zweites Monatsgehalt, aber das wird vor allem für andere nötige Sachen verwendet als nur für Geschenke.
Silvester wird sehr ähnlich wie Weihnachten gefeiert, nur eben ganz ohne Geschenke.
Arbeitstechnisch gibt es ein paar neue Ideen: Ab Januar wollen wir nun endlich das schon seit längerem geplante Kinder-Open-Air-Kino im Patio veranstalten. Zwischen den Palmen wird eine Leinwand gespannt, auf der wir für die Kinder kostenlos Filme zeigen. Geplant ist als erstes der Film "Walle" um neben der Unterhaltung der Kinder auch auf den Aspekt der Müllbelastung der Erde ein bisschen aufmerksam zu machen, was hier in Nicaragua mehr als nötig ist. Aus den Bussen wird auch während der Fahrt Müll geworfen und die Mülleimer der Stadt sind die Straßen. Ein Problem dabei ist, dass tatsächlich kaum öffentliche Mülleimer exisitieren und wenn, dann sind sie von benachbarten Hotels oder Bars gesponsort. In Granada wird der Müll für die Touristen regelmäßig weggeräumt, doch in Städten wie Masaya und auch Teilen Managuas fühlt man sich wie auf der Müllkippe.
Ein weiteres Projekt ist es, die derzeit verschlossene Kunstbibliothek der Casa 3 Mundos wieder zu eröffnen. Darin sind ca 2000 Kunstbücher gelagert, die im Moment nicht zugänglich sind, da kein Personal für die Organisation der Bibliothek vorhanden ist und die Bücher auch nicht digitalisiert sind. Das ist natürlich sehr schade, da das für Kunstinteressierte eine regelrechte Schatztruhe ist.
Mit einer nicaraguanischen Freundin hier, die ein Registrierungs-und Ausleiheprogramm programmieren wird, was alle Bücher in digitalisierter Form enthält, wollen wir einmal die Woche Kunstinteressierten und auch allen anderen Zugang zu den Büchern verschaffen, denn allgemein ist es hier schwierig an Fachliteratur zu kommen.
Dasselbe soll auch mit 200 Schallplatten geschehen, die derzeit im Archiv gelagert sind.



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