Im Gegensatz zu Deutschland nämlich , wo ich das allgemeine Interesse an Poesie als eher gering bezeichnen würde, hat hier in Nicaragua fast jeder Jugendliche ein Notizbuch, das mit eigenen Gedichten und mit den Lieblingsgedichten von bekannten Poeten gefüllt ist.
Die Poesie spiel
t daher in Nicaragua eine viel größere Rolle im täglichen Leben, als ich das aus Europa kenne. Das sieht man auch daran, dass alle Veranstaltungen während dem Festival sehr gut besucht sind und vom Kind bis zu den Großeltern alle Altersklassen vertreten sind.
Die Casa de los Tres Mundos ist als Kulturzentrum sehr stark in die Organisation des Festivals mit eingebunden. Hier im Patio sehe ich täglich viele der angereisten und einheimischen Dichter und ich selbst unterstütze den Kulturdirektor bei der Vorbereitung der Vorlesungen.
Zudem habe ich die Aktion “Literatura para cortar” (Literatur zum Pflücken) zusammen mit einer anderen Freiwilligen aus Managua veranstaltet.
Im Stadtpark und auf dem Platz vor dem Kulturzentrum haben wir an allen Säulen und Laternen viele, v
iele kleine Gedichte auf Abreißzetteln aufgehangen und jeder, der mochte, konnte sich im Vorbeigehen ein oder mehrere Gedichte abnehmen und sich für einen Moment an diesem Gedicht erfreuen.
Nachdem wir eine Stunde Zettelchen für Zettelchen an unseren Literaturbäumchen befestigt hatten, waren auf dem Rückweg die meisten Säulen auch schon zum Großteil abgeerntet.
Im Rahmen des Poesiefestivals kommen natürlich viele nationale Künstler nach Granada, so auch der Poet und Revolutionär Ernesto Cardenal und die Autorin und Poetin Gioconda Belli, die interessanterweise in Deutschland berühmter zu sein scheint als hier in Nicaragua.
Wer Lust hat Ernesto Cardenal als wichtige Persönlichkeit in Nicaragua in München persönlich kennenlernen will, kann sich Tickets für die Konzertlesereise “Den Himmel berühren” mit Musik und Gedichten über Liebe, Revolution, Gott und die Welt am 9.März um 19:00 in der Kreuzkirche besorgen. Das Ganze wird von Grupo Sal, einer Musikgruppe von Musikern aus ganz Lateinamerika, musikalisch begleitet.
Seit einigen Wochen habe ich mit meinem österreichischen Mitbewohner eine eigene Radiosendung im freien Radio Volcán und auf der Frequenz 102.9 gestalten wir jeden Mittwoch von 19:00 bis 20:00 eine Musiksendung mit Musik, die kein Reaggaeton oder Bachata ist. Diese beiden Musikrichtungen werden hier mit anhaltender Begeisterung der Zuhörer rauf-und runtergespielt, aber wir wollen ein bisschen Abwechslung ins Programm bringen und vor allem Musik spielen, die hier nicht so bekannt ist. Unsere letzten Themen waren “Reggae, aber ohne Bob Marley” (Reggae wird hier leider oft mit Reggaeton, einer Art Hiphop mit ausschließlich sexistischen Texten, verwechselt), eine musikalische Reise durch Lateinamerika vom Süden bis in den Norden (von Andenmusik über Mambo bis Salsa), Rock aus den 80gern und 90gern oder Musik aus dem Balkan.
Die Nachtaktiven unter euch können sich die Live-Übertragung im Internet donnerstags um 02:00 morgens deutscher Zeit unter www.volcanradio.com anhören.
Das Radio Volcán ist frei zugänglich für alle und soll der Bevölkerung, insbesondere den Jugendlichen ein Forum bieten, ihre Bedürfnisse und Gedanken öffentlich machen zu können. Jeder Interessierte kann dort eine eigene Sendung gestalten, was auch von einigen Jugendlichen wahrgenommen wird.
Die neue Homepage der Casa de los Tres Mundos ist nun nach langer Anlaufzeit auch endlich online und wer sich dafür interessiert, was hier im Kulturzentrum noch alles passiert und das Ergebnis einer von zwei Freiwilligengenerationen erstellten Homepage sehen will, klickt sich einfach durch auf: www.c3mundos.org.
Nun noch ein paar abschließende Worte, die auch jede Veranstaltung des Poesiefestivals beenden:
Poet: Viva la Poesia!
Menge: Viva!
Poet: Viva Nicaragua!
Menge: Viva!


