Vor zwei Wochen war ich trotz aller Warnungen und negativer Berichte der Nicaraguaner ein paar Tage in Costa Rica und habe mir selbst einen Eindruck von der „Grünen Schweiz Mittelamerikas“ gemacht.
Diese Bezeichnung kommt daher, da Costa Rica ein winzig kleines Land ist, das nicht in das Klischee eines typischen lateinamerikanischen Landes passt: Es herrscht weder eine blutrünstige Militärdiktatur noch ist es wirtschaftlich schlecht gestellt – im Gegenteil: Politische Stabilität und sozialer Frieden ist kennzeichnend für die Politik. Im Umweltschutz liegt Costa Rica ganz vorne und das Müllproblem wie z.B. in Nicaragua ist nicht vorhanden.
Schon an der Grenze nach Costa Rica bekam ich zu spüren, wie unterschiedlich das System in Nicaragua und Costa Rica ist und dass die Ticos (Bewohner Costa Ricas) es schon mir als Europäerin schwer machen, in ihr Land zu reisen und dann kann
man sich vorstellen, wie das für einen Nicaraguaner ist, der im Land nicht erwünscht ist.
Mir wurde gesagt, dass ich mit dem Busunternehmen TICABUS bereits in kurzen 4 Stunden über die Grenze nach Costa Rica komme.
An der Grenze allerdings mussten alle aussteigen und innerhalb 20 Minuten wurde mein Reisepass um einen Ausreisestempel aus Nicaragua erweitert. Ein Lärmen am chaotischen Busbahnhof und 10 dickliche Nica-Frauen, die in kreischender Stimme ihre Waren anpreisen, bin ich aus Nicaragua gewohnt.
Lange Verzögerungen kenne ich auch zur Genüge, doch mit einem zweieinhalb-stündigen Einreiseprozess hat sich die costaricanische Einwanderungsbehörde selbst übertroffen. Einstündige Warteschlangen, unfreundliche Beamten, modernes Grenzrestaurant statt Quesillo-Frauen, noch eine Schlange, bei der jeder Koffer einzeln geöffnet wird, um ihn undurchsucht
wieder zu schließen, sind mir im Gedächtnis geblieben. Ich habe mich nicht im ersten Moment erwünscht gefühlt.
Fakt ist, dass Costa Rica von nicaraguanischen Einwanderern nicht gerade begeistert ist, da dies meist ungebildete Arbeitskräfte sind, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind und von der hohen Wirtschaftskraft und dem guten Sozialsystem der Ticos profitieren wollen.
Dieses starke wirtschaftliche und soziale Gefälle und dieses Aufeinandertreffen von ein wenig Überheblichkeit der Ticos auf die Missgunst der Nicas führt zu dem schlechten Gerede der einen über die anderen.
Positiv an Costa Rica kann ich bemerken, dass das Umweltbewusstsein der Ticos tatsächlich sehr hoch ist und die Straßenränder nicht zu Mülldeponien umfunktioniert wurden und alle Sitze im Auto mit Anschnallgurten ausgestattet sind, was in Nicaragua auch selten anzutreffen ist.
Den Reichtum, unter anderem aufgrund des Tourismus, spürt man anhand von riesigen Food Malls, überdimensionalen Einkaufszentren und Straßen, die kilometerweit von Luxushotels, Massagezentren und zahl-reichen Öko-Lodges gesäumt sind.
Für den Ökotourismus ist Costa Rica auch bekannt und die Natur u
m die Hotels herum ist wirklich wunderschön – von Vulkanwanderungen über Regenwaldbesuche mit Tierbeobachtung bis hin zur Entspannung an Pazifikstränden ist für jeden was dabei.
Doch die interessante Frage ist letztendlich: Wie kam es dazu, dass zwei Länder mit so ähnlichen Ausgangsbedingungen einen so unterschiedlichen Entwicklunsstand haben – noch dazu, wo Nicaragua vor nur 15 Jahren noch reicher war als Costa Rica?
Die Komplexität der Antwort auf diese Frage und mein dafür nicht ausreichendes Wissen über die Vergangenheit und Gegenwart dieser beiden Länder erlaubt es mir leider nicht, eine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage zu finden, doch Faktoren wie unzählige Kriege und Krisen, Korruption, politische Fehler, unzureichendes Bildungssystem, Ausbeutung durch andere Länder etc. spielen bestimmt eine große Rolle.



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