Donnerstag, 27. Mai 2010

Mein Leben und ich

Von Kinderkino über Müllsäuberungsaktion bis zu einem Besuch der Deutschen Welle war der letzte Monat von einigen Highlights gespickt – deswegen dreht es sich diesmal um mein Leben in Nicaragua mitsamt seinen schönen und frustrierenden Momenten.

Das schon seit längerem geplante Open-Air-Kino für Kinder habe ich nun vor einem Monat endlich in die Tat umgesetzt. 40 Kinder und Eltern tauchten in die Welt des kleinen Hundes Bolt auf und das kostenlose Kino auf dem Stadtplatz am Samstagabend war somit wirklich ein Erfolg!

Weniger erfreulich war leider die Vorbereitung und Organisation meinerseits, da ich vonseiten der Mitarbeiter der Casa wenig bis gar keine Unterstützung bekam.


Obwohl mein Vorhaben im Vorhinein mit einem Kopfnicken abgesegnet wurde, erfuhr ich erst in letzter Minute, dass die vermeintliche Hilfsbereitschaft darauf hinauslief, dass die Kosten fuer den Techniker und die Werbung von mir übernommen werden müssen. Am Tag der Veranstaltung erklärt mir der Techniker, dass ihm schon von vorneherein klar war, dass es um 5:00 natürlich noch zu hell für die Open-Air-Veranstaltung sei, was ihm jedoch eine Stunde vor Veranstaltunsgbeginn ein bisschen spät einfällt. Wie gut, dass Unpünktlichkeit in Nicaragua nicht kritisiert wird. In diesem Moment habe ich schon darüber nachgedacht, warum ich meinen Samstagabend damit verbringe, wenn nicht das geringste bisschen Anerkennung zu spüren ist?

Zum Glück läuft das nicht immer so – beim Kinderfest zum 1.Geburtstag der Kinderbibliothek in Malacatoya freut die Leiterin Milagros (Der Name bedeutet übersetzt “Wunder”) sich über jede Mithilfe und mit einem Clown, Kinderschminke, Musik, Tanz und Geschichten vorlesen genossen alle versammelten Piraten, Schmetterlinge und Prinzessinnen aus dem Dorf den Vormittag.

In Malacatoya ist die Bücherecke zudem das einzige Freizeitangebot für Kinder und somit täglich eine Anlaufstelle für die Kinder des Dorfes.

Kaum zurück aus dem Dorf, hatte ich nachmittags eine Verabredung mit einer Reporterin der Deutschen Welle, die eine Reportage über die Casa und insbesondere das Projekt “LOCREO” machte, das in den ärmeren Vierteln Granadas stattfindet und ich schlüpfte in die Rolle der Dolmetscherin.

Die Musiklehrer des Projekts “LOCREO” arbeiten nach dem Prinzip der “Lengua Maternal”, der Muttersprache. Die Idee dahinter ist, dass man als Kleinkind sprechen lernt, ohne lesen oder schreiben zu können – somit kann ein Kind auch Musik machen und singen, ohne Noten lesen zu können. Dieses Prinzip setzen die Lehrer durch leichte Rhythmusübungen und Singspiele um. Die Kurse sind kostenlos und die Kinder sollen so von früh auf mit der Musik vertraut werden und Gefallen daran finden, da im Alltagsleben in den Familien kein Zugang zum Musik machen gegeben ist.

Neben diesem schönen Projekt nun zu einer weniger schönen Angelegenheit, die ich bereits mehrfach in Berichten erwähnt habe: Nicaragua und der Muell.

Am Rande von Managua liegt von üppiger Vegetation umgeben die Laguna de Nejapa, ein See, der wunderschön sein koennte. Allerdings führt das Kanalsystem der Großstadt mit all seinem verunreinigten Abwasser und Müll direkt in diese Lagune, die somit weder als Trinkwasservorrat noch als idyllisches Naherholungsgebiet genutzt werden kann.

Einmal im Jahr wird eine “Jornada de Limpieza”, eine Säuberungsaktion, veranstaltet, die vom nicaraguanischen Militär mit Militärfahrzeugen zur Personenbeförderung zur Lagune und zur Müllentsorgung von der Lagune weg unterstuetzt wird.

Eine engagierte nicaraguanische Freundin lud mich ein, bei dieser von Nicas organisierten Aktion mitzumachen und so verbrachte ich einen heißen Sonntag mit Gummihandschuhen und Müllsack mit Freunden am Ufer der Lagune, um den groben Müll zu entfernen. Insgesamt waren 1000 Leute beteiligt, doch nach 3 Stunden immer noch auf denselben 10 Quadratmetern Plastikflaschen, Schuhe, Glas und noch mehr Plastik aufzusammeln und noch kein Ende zu sehen, macht einem das Ausmaß der Verschmutzung noch einmal deutlich bewusst – vom Gestank und Inhalt der Lagune selbst mal ganz abgesehen.

Stinkend, verschwitzt und ein bisschen nachdenklich machten wir uns somit auf den Nachhauseweg, doch das Schöne war, dass diese Aktion – wie so viele andere Umweltaktionen - einmal nicht von Ausländern organisiert war, sondern die Initiative von vielen engagierten Nicas ausging, die die Schätze ihres eigenen Landes bewahren wollen.